Erziehungscamps im RTL-Format
23. Januar 2008 um 4:47 vormittags | Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik, Soziales, Studium, Waldeck | Hinterlasse einen KommentarIm Wahlkampf vor den Landtagswahlen in Hessen fordert Ministerpräsident Roland Koch (CDU) härtere Strafen und Freiheitsentzug in Form von Erziehungscamps für straffällige Jugendliche. Als Vorbild in dieser Diskussion wird immer wieder das “Trainingscamp Lothar Kannenberg” genannt, welches nahe meiner Heimat in Diemelstadt-Rohden liegt. In der gestrigen Ausgabe der Sendung Kulturzeit auf 3sat wurden die Wunschvorstellungen Kochs mit dem “Dschungelcamp” auf RTL verglichen. In dem Kulturzeit-Beitrag wurden die Brachialmethoden des Boxcamps von Kannenberg kritisiert und Parallelen zu den demütigenden Methoden der Jugendwerkhöfe in der DDR gezogen. Ein ehemaliger Jugendwerkhofinsasse hat wegen Misshandlung Schutzbefohlener, Körperverletzung und Nötigung Strafanzeige gegen Camp-Leiter Lothar Kannenberg gestellt.
Für den informativen und hintergründigen Fernsehbeitrag habe ich mich mit folgender E-Mail bedankt:
Liebes Kulturzeit-Team,
für den sehr guten Beitrag “Gedrillt und traumatisiert” möchte ich mich herzlich bedanken. Als Student der Sozialen Arbeit und Diakonie habe ich mich gefreut, einen so hintergründigen und kritischen Beitrag zu den aktuell viel diskutierten Erziehungscamps zu sehen.
Auch ich halte Alternativen zum geschlossenen Vollzug für jugendliche Straftäter für erforderlich. Das Motte des Trainingscamps Lothar Kannenberg “Durchboxen im Leben” in Verknüpfung mit Aussagen wie “Wer kämpft kann gewinnen” halte ich – wie auch in Ihrem Beitrag dargestellt – für gefährlich und contraproduktiv. Vielmehr sollten Jugendliche in Erziehungscamps dazu ermutigt werden für ihr Handeln selbst Verantwortung zu übernehmen. Dies sollte ohne Zwang, Druck und Macht von außen geschehen, sondern durch eine wertschätzende Grundhaltung, Förderung der individuellen Stärken und damit des Selbstwertgefühls.
Auch das Interview zum Thema Klonen fand ich sehr interessant.
Herzliche Grüße vielen Dank für ihre Sendung
Jonas Hufeisen
Glaube und soziale Verantwortung
9. Oktober 2007 um 10:14 nachmittags | Veröffentlicht in Gesellschaft, Glaube, Internet, Politik, Soziales, Studium | Hinterlasse einen KommentarIm Juni habe ich über den evangelischen Kirchentag in Köln berichtet. Nun hat das Diakoniewissenschaftliche Institut (DWI) der Uni Heidelberg weitere vielfältige Berichte von Studierenden veröffentlicht. Weil sich die DWI-Gruppe an unsere Hephata-Gruppe angeschlossen hat, wurden auch berichte von uns mit aufgenommen. So auch meinen (erweiterten) Bericht über Globalisierung und interreligiösen Dialog. In vielen Berichten geht es um den Zusammenhang von Glaube und sozialer Verantwortung und um das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen.
Wie schon Hufi und depone möchte auch ich hier einen Gedanken aus dem Buch Ethischer Welthandel von Christoph Stückelberger zitieren:
Der ungerechte, unfaire Handel tötet Leben.
Der gerechte, faire Handel fördert Leben.
So direkt und einfach ist – in aller Differenziertheit im einzelnen – die biblische Wirtschafts- und Handelsethik.
Kirchentag – ein zweiter G8-Alternativgipfel
25. Juni 2007 um 12:15 vormittags | Veröffentlicht in Glaube, Politik, Studium, Tagebuch | Hinterlasse einen KommentarVom 6. bis 8. Juni fand in Heiligendamm der G8-Gipfel statt. Parallel wurden beim G8-Alternativkongress in Rostock inhaltliche Alternativen entwickelt, wie die Globalisierung gerechter gestaltet werden kann. Zur gleichen Zeit fand in Köln der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag statt.
„Lebendig und kräftig und schärfer“ – so lautete das Motto des Kirchentags in Köln. Dieses Motto zog sich durch die meisten Veranstaltungen des Kirchentags. Besonders deutlich wurde es an lebendigen, kräftigen und scharfen Worten zum Thema Globalisierung und an Appellen an den parallel tagenden G8-Gipfel in Heiligendamm.
Schon im Vorfeld haben Vertreter aller großen Religionen in Deutschland einen gemeinsamen Appell an die G8-Vertreter verfasst. Am Donnerstagabend fand die öffentliche Veranstaltung „Die Macht der Würde: Globalisierung neu denken – Ruf an den G8-Gipfel in Heiligendamm“ statt. Die Forderung von Kirchentagspräsident Reinhard Höppner im Bezug auf die Globalisierung lautete: „Reißt die Mauern ab zwischen denen, die entscheiden, und denen, die von diesen Entscheidungen betroffen sind.“ Mit ihm sprachen sich weitere Kirchevertreter, Friedensnobelpreisträger etc. für fairen Handel, Armutsbekämpfung und eine gerechte Globalisierung, bei der auch die Schwachen zu Wort kommen, aus.
Das Motto des Kirchentags ist ein Zitat aus folgender Stelle des Hebräerbriefs:
„Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ (Hebr 4,12)
Wie oben ausgeführt konnte man das Motto „lebendig und kräftig und schärfer“ bei den Veranstaltungen des diesjährigen Kirchentags spüren. Besonders deutlich wurde das an politischen Worten zu Umwelt- und Globalisierungsfragen. Nach der Bibelstelle beziehen sich die Eigenschaften „lebendig und kräftig und schärfer“ allerdings auf das Wort Gottes und nicht auf Menschenworte. Bei den Appellen wurde sich zwar immer wieder auf die Bibel bezogen, dennoch rückten nach meinem Empfinden das Wort Gottes sowie Glaubensthemen oftmals in den Hintergrund. Besonders deutlich wurde das bei der Predigt des Abschlussgottesdienstes von Pfarrerin Mechthild Werner. In Presseberichten der EKD wird die Predigt mit dem Begriff „scharfe Globalisierungskritik“ passend zusammengefasst.
Ich schätze es sehr, dass beim Kirchentag klare Worte zu politischen Themen gesprochen werden und finde es wichtig, dass Christen klar Stellung beziehen. Allerdings habe ich es vermisst, dass auch zu Glaubensfragen klar Stellung bezogen wird bzw. die frohe und befreiende Botschaft Jesu im Mittelpunkt steht. Meiner Meinung nach hat die Kirche noch mehr zu bieten als Umweltorganisationen oder Nichtregierungsorganisationen wie Attac – sie kann Antworten auf elementare Fragen des Lebens geben. Ich würde mich freuen, wenn dies beim nächsten Evangelischen Kirchentag in Bremen noch deutlicher wird.
Informationen über den G8-Gipfel, Proteste und Ergebnisse findet ihr in folgendem Wikipedia-Artikel.
Mein Bruder Daniel hat hier interessante Gedanken und Informationen zu den Themen G8, Medienberichterstattung und christliches Engagement geschrieben.
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