Polnischer Frühling

30. April 2006 um 1:23 vormittags | Veröffentlicht in Polen, Tagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Vor zwei Wochen ist hier in Warschau der Frühling eingetroffen. In der Woche nach Ostern konnte ich mit meiner Familie bei frühsommerlichen Temperaturen ein Warschau und viele Sehenswürdigkeiten besichtigen. Bei unserem Touristenprogramm habe ich viele interessante Orte in Warschau gesehen, die ich in den zweieinhalb Monaten zuvor noch nicht entdeckt habe. Besonders eindrücklich fand ich die wiederaufgebaute Altstadt, das jüdische Warschau (ehemaliges Warschauer Getto) und einige schöne Parks. Nur bei unserem Tagesausflug nach Danzig und die Ostsee hat uns die Sonne nicht immer begleitet.

Am Mittwochnachmittag bin ich alleine bei herrlichem Sonnenschein durch eine tolle Parkanlage inklusive Wasserschloss geschlendert. Dort war ich von grünenden Bäumen, blühenden Pflanzen, bunten Pfauen und zahlreichen Eichhörnchen umgeben. Heute haben einige Regenschauer die Schönwetterperiode vorerst beendet.

Neben den vielen Eindrücken der Stadt habe ich aber auch einiges für mein Studium und beim Praktikum zu tun. Neben letzten Prüfungen bereite ich eine Gartenparty im Kinderheim an meinem letzten Wochenende in Warschau (13. Mai) mit vor. Dort werde ich einen Jonglierstand mit der Möglichkeit Bälle zu basteln und eine kleine Jonglage- und Diaboloshow vor.

Die polnischen Feiertage vom 1. bis 3. Mai nutze ich für einen Ausflug mit anderen Studenten in Polens schönste Stadt Krakau – so wird sie zumindest oft bezeichnet.

Mit Winterjacke in der Ostsee

23. April 2006 um 8:24 nachmittags | Veröffentlicht in Polen, Tagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Von Samstag 5 Uhr bis heute 5 Uhr habe ich mit meiner Familie einen 24-Stunden Ausflug nach Sopot (Zoppot) und Gdansk (Danzig) gemacht. Von der längsten Holzbrücke Europas aus haben wir in Sopot einen Strandspaziergang gemacht. Trotz des zunächst schlechten Wetters konnte ich nicht drauf verzichten barfuss am Wasser entlangzulaufen. Danach habe ich meine Füße in eine Pfütze gewaschen. Bei unserer anschließenden Besichtigung Danzigs würde das Wetter freundlicher und wir konnten die tolle Altstadt genießen. Eine Markthalle im Stil des vorletzten Jahrhunderts und das noble Shoppingcenter “Große Mühle” mit historischem Flair hatten am späten Samstagnachmittag schon geschlossen. Ähnlich ging es uns einige Stunden später beim Aufsuchen mehrerer ausgewählter Restaurants. Gegen 22:30 Uhr haben wir aber dennoch ein sehr gutes Restaurant gefunden.

Der folgende Kommentar zur Danziger Markthalle aus einem Reiseführer hat mich besonders fasziniert und amüsiert: “Besonders interessant: der Plastiktütenhändler mir einem Angebot, das es mit jedem Plastiktütenmuseum der Welt aufnehmen kann.” Schade, dass ich diese Sammlung nicht bewundern konnte.

Für alle weiteren Reiseberichte verweise ich wieder auf das Blog meines Bruders.

PS: Seitdem mir Daniel die Internet-Explorer-Alternative Mozilla Firefox installiert hat, ist es jetzt endlich möglich Bilder in mein Blog zu stellen.

Familientreffen in Warschau

19. April 2006 um 11:06 nachmittags | Veröffentlicht in Polen, Tagebuch | 1 Kommentar

Ostersonntag habe ich meine Eltern und meinen Bruder vom Warschauer Flughafen abgeholt – sie besuchen mich bis zu meinem Geburtstag am 25. April. Bei unseren gemeinsamen Erkundungen der Hauptstadt habe sogar ich viele Orte zum ersten Mal gesehen oder bewusst wahrgenommen, obwohl ich nun schon über 2,5 Monate hier lebe. Mit den Gedanken, dass man ja noch so lange hier ist, habe ich viele echte Sehenswürdigkeiten bisher außer Acht gelassen. So ist für mich die kurze Zeit als Tourist in meiner Stadt auch sehr bereichernd.

Heute waren wir beispielsweise dem jüdischen Warschau auf der Spur, indem wir am heutigen Jahrestag des Aufstands im Warschauer Getto 1943 einige Denkmäler besichtigt und mit einer Jüdin gesprochen haben. Am Freitag wollen wir ins Musical Cats und am Samstag einen Ausflug nach Gdańsk (Danzig) machen.

Hier in Warschau kam es am Dienstag auch noch zu einem weiteren Familienzusammentreffen. Ursprünglich wollte mein Kommilitone Frieder hier gemeinsam mit mir ein Praktikum machen. Obwohl es dazu nicht kam, hat seine Familie schon vorher eine Reise nach Warschau gebucht, um ihn zu besuchen. Nun sind sie zusammen gekommen und wir konnten uns schon treffen.

Jeden Tag schreibt mein Bruder Daniel an meinem PC über unsere einzelnen Unternehmungen und Erlebnisse in Polen in seinem Blog. Weil wir die meiste Zeit gemeinsam unterwegs sind und ich nicht alles abschreiben möchte, empfehle ich euch auch dort vorbeizuschauen. Er hat auch schon einige Fotos ins Netz gestellt.

Großes Osteressen im Kinderheim

13. April 2006 um 3:43 nachmittags | Veröffentlicht in Glaube, Polen, Praktikum | 2 Kommentare

Nachdem ich am Dienstag beim „Workshop on Cultural Adaptation“ schon eine Einführung in das polnische Brauchtum zur Osterzeit erhalten habe, hatte ich am Mittwoch bei meinem Praktikum im Warschauer Kinderheim die Möglichkeit ein Festessen zur Vorbereitung auf Ostern direkt zu erleben.

Bei diesem Osteressen haben nicht nur die Heimkinder selbst, sondern auch ihre Familien teilgenommen. Vor dem Essen hat die Heimleiterin die Bedeutung des Essens im Zusammenhang mit dem Osterfest erklärt. Die Tische waren festlich und reichhaltig mit Eiern in verschiedensten Varianten, Salaten, Wurst, Brot sowie mit verschiedensten Kuchen, Süßspeisen und Schokoladeneiern gedeckt. Vor dem Beginn des Essens wurden Eier geteilt und an jedem verteilt.

In der schulfreien Zeit über die Osterfeiertage besuchen die meisten Kinder ihre Familien oder Verwandte. Nur etwa 20 Kinder bleiben im Heim, die für diese Zeit in eine Gruppe zusammengefasst werden. Während dieser Zeit arbeiten nur zwei Mitarbeiter im ganzen Heim. Aus diesem Grund fand dieses Osteressen schon im Voraus am Mittwoch vor Ostern statt.

Morgendliches Gespräch mit einem Blinden

12. April 2006 um 3:29 nachmittags | Veröffentlicht in Glaube, Polen, Tagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem Besuch eines Clubs kam ich am frühen Sonntag Morgen mit einer der ersten Straßenbahnen nach Hause. Mit mir hat ein blinder junger Mann die Straßenbahn verlassen und hatte offensichtlich Schwierigkeiten den Weg zur Ampel zu finden. Zunächst zögerte ich ihn Hilfe anzubieten, weil ich befürchtete mich nicht mit ihm verständigen zu können. Aber nach einem Moment fragte ich ihn auf Englisch, ob er über die Straße gehen wolle. Er bejahte die Frage. Zu meiner Erleichterung sprach er gutes Englisch und fragte mich zugleich, ob ich auch zum „Radomska“ (unser Wohnheim) wolle. Nach meiner positiven Rückmeldung auf seine Frage klappte er seinen Langstock sofort zusammen und hakte sich ohne nachzufragen bei mir ein. Über diese direkte Art mich um praktische Hilfe zu fragen war ich etwas verwundert. Ohne nachzufragen hätte ich in einer solchen Situation eher mehr Distanz gehalten. Obwohl ich mich etwas überrumpelt gefühlt habe, führte ich ihn ohne weiteren Kommentar zu unserem Wohnheim. Währenddessen kamen wir ins Gespräch über unsere jeweilige Situation hier in Warschau. Ich erzählte ihm von meinem Auslandsstudium und Praktikum und er berichtete mir im Gegenzug, dass er selbst Pole sei und ein Jurastudium an der Universität Warschau abgeschlossen habe. Diese Woche wohne er wegen einigen Nachprüfungen bei uns im Wohnheim. Angekommen haben wir uns im Haus noch eine weitere Stunde unterhalten.

Eine Diskussion über unsere jeweilige Religion fand ich besonders interessant, weil er der in Polen konfessionellen Minderheit der Orthodoxen angehört. Ihm sei die Religion schon wichtig, finde es aber schwer alle dazugehörigen Regeln einzuhalten. Ich erwiderte darauf, dass ich bei meinem Glauben an Jesus nicht das Befolgen von Regeln am wichtigsten finde, sonder eine Beziehung zu Jesus und Gott.

Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich dem Blinden nicht unvoreingenommen begegnet bin. Bei einem sehenden Mann in seinem Alter hätte ich beispielsweise vermutlich weniger bedenken gehabt, ob er Englisch spreche. Offenbar habe ich seine eingeschränkte Sehfähigkeit unbegründet auf die ganze Person übertragen, obwohl ich mir solche Vorurteile vorher kaum eingestanden hätte.

Jonas ganz normaler Tag – Episode 3

11. April 2006 um 7:02 nachmittags | Veröffentlicht in Internet, Jonas ganz normaler Tag, Musik, Polen, Tagebuch | 1 Kommentar

„Jonas ganz normaler Tag“: Geschichten aus Jonas Leben in Polen.
Episode 3 müsste eigentlich “Jonas ganz normale Nacht heißen” und ist dem Podcasting gewidmet:

In der Nacht von Sonntag auf Montag habe ich um 0:05 Uhr das Feature “Generation MP3″ auf Deutschlandradio Kultur gehört. Dabei wurde neben kostenlosen Musikdownloads auch über Internetradio und Podcasts berichtet. Parallel dazu habe ich im Internet gleich nach dem mir bis dahin unbekannten Medium Podcast recherchiert. In der folgenden Nacht habe ich mir die ersten Podcasts abonniert, die ich nun mit dem Programm iTunes oder auch meinem MP3-Player anhören bzw. ansehen kann. So verpasse ich beispielsweise nie die letzten Radionachrichten oder die 20 Uhr Ausgabe der Tagesschau. Aber auch zu vielen anderen Themen gibt verschiedenste Podcasts – entweder privat oder von Radio- / Fernsehsendern oder Zeitschriften etc.

Einmal Deutschland und zurück

5. April 2006 um 2:11 vormittags | Veröffentlicht in Polen, Praktikum, Tagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Weil meine Oma sehr krank war habe ich letzte Woche Polens Hauptstadt verlassen um sie zu besuchen. Erfreulicherweise geht es ihr mittlerweile wieder etwas besser, so dass ich am Montag beruhigt zurück nach Warschau fliegen konnte. Als es meiner Oma am schlechtesten ging, war sie besonders ruhig und gelassen. Man konnte spüren, dass ihr das Vertrauen auf die Liebe Gottes diese Ruhe ermöglichte.

So hat jetzt meine zweite Hälfte in Warschau begonnen. Es war schön die Kinder im Heim wieder zu sehen und bei Sonnenschein mit ihnen zu spielen. Auch die aus Deutschland mitgebrachten Diabolos wurden von ihnen mit Begeisterung ausprobiert.

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